Erfolg mental üben

Unser Geist ist sehr kreativ. Wenn wir unter Stress sind und uns eine herausfordernde Situation bevorsteht, dann spielt er gerne diese Situation vorher durch. Und je höher das Stresslevel ist, umso mehr ist auch das Durchspielen. In der Realität sieht dass dann mitunter so aus: Beim Duschen, Fahrrad fahren, oder auch mitten in der Nacht wenn wir aufwachen, spielt unser Geist mögliche Szenen durch. Und leider kann das auch gerne mal eine sehr unangenehme Färbung bekommen: Wir stellen uns vor, wie alles schief geht, wie andere uns auslachen, wie wir unter Druck geraten, wie wir plötzlich nichts mehr können, und so weiter.

15 bass

Und diese Kreativität können wir nicht abstellen, wir können unserem Kopf nicht befehlen damit aufzuhören. Wir können aber diese Kreativität für uns nutzen. Wie soll das gehen?

Was unser Geist tut: Er simuliert mental die Situation. Weil er das von sich aus tut, malt er alles so aus wie er will, also gerne auch mal als Katastrophe.Aber wir können uns auch ganz bewusst die Situation als Erfolg ausmalen!

Es hilft dabei, wenn Du bereits Erfahrung mit Entspannungstechniken oder auch Meditation hast. Die wichtigste Voraussetzung ist nämlich, dass wir beim mentalen Üben entspannt sind — sonst lernen wir die Aufregung gleicht mit, und daran erinnert sich der Körper! Meditation ist besonders gut auch dafür geeignet, unsere Gedanken ziehen zu lassen und ihnen nicht so viel Bedeutung beizumessen. Das ist sehr hilfreich um uns vor katastrophisierenden Gedanken zu bewahren.

1. Nimm eine entspannte, aber aufrechte Sitzhaltung ein.

2. Nimm wahr, wie Du gerade da bist: Deinen Körper, Deinen Atem.

3. Mache ganz bewusst eine Dir vertraute Entspannungsübung (zum Beispiel Progressive Muskelentspannung [1]).

4. Bilde eine für Dich sehr klare Intention für die Situation, die Du Dir vorstellen möchtest, zum Beispiel:

„Ich bin offen, präsent und wach.“ „Ich bin innerlich ganz ruhig.“ „Ich werde von meinem ganzen Herzen Musik machen.“ „Ich habe tiefes Vertrauen in mich und in die Musik.“ „Ich werde richtig geil abrocken.“ „Wir werden die Hütte zum Wackeln bringen.“…

Diese Sätze sind nur Beispiele. Suche Dir die Sätze, die sich für Dich stimmig anfühlen! Wobei ich von freindseligen Sätzen abraten möchte („Ich werde meine Konkurrenten fertig machen“ oder so ähnlich), aber das musst Du für Dich selbst entscheiden.

Oft hilft es auch sich innerlich zuzulächeln. Sei freundlich Dir selbst gegenüber.

5. Nun stelle Dir mental die Situation vor (zum Beispiel das Probespiel, das Konzert, die Solostelle, …). Lasse die Situation so lebhaft wie möglich werden: Mit Klängen, Bildern, und noch mehr. Und behalte Deine Intention (aus 4.) so klar wie möglich bei.

6. Am Ende der Übung, komme wieder zurück zur Körperwahrnehmung. Strecke und räkele Dich so wie es Dir gerade gut tut und öffne die Augen.

Du kannst diese Übung auch wiederholen, zum Beispiel jeden Tag einmal.

Wenn dann die Situation real eintritt, empfehle ich dass Du sie einfach so gut es geht geschehen lässt. Genau wie beim Musizieren geht es jetzt nicht mehr ums Üben, sondern ums Tun. Und vielleicht schaffst Du es, Dich ganz der Musik hinzugeben.

Wenn dann die Situation vorbei ist, hast Du noch genug Zeit…

Dich für Deine Anstrengung zu loben
Dir zu überlegen, was Du das nächste Mal noch besser machen kannst
Dir selbst gute Wünsche für den weiteren Weg zu sagen.

Es gibt Musikerinnen und Musiker, für die eine solche oder ähnliche Übung schon zum Ritual geworden ist. Sie ist ein Teil eines Projekts das heißen könnte: „Den Geist zum Freund machen“.

Und zum Schluss noch ein wichtiger „Disclaimer“: Diese Übung kann sehr hilfreich sein, um besser und freier aufzutreten. Sie ersetzt aber nicht das eigentliche Üben am Instrument. Aber wenn Du diesen Beitrag bis hierher gelesen hast, dann weißt Du das ohnehin schon.

[1] Löhmer, C. & Standhardt, R. (2015). Die Kunst, im Alltag zu entspannen: Einübung in die Progressive Muskelentspannung. Stuttgart: Klett-Cotta.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s