Das Weiterspinnspiel (Sprachspiele, Musikspiele, Teil 2)

Im letzten Blogeintrag habe ich erzählt, dass Musik so spielerisch sein könnte wie Sprache, und zwar nicht erst wenn man die Technik beherrscht, sondern von Anfang an.Das Weiterspinnspiel

Und dafür habe ich mir das Weiterspinnspiel ausgedacht. Das geht so:

Voraussetzung dafür ist, dass Du ein wenig Übezeit hast. Eigentlich reichen schon 5 Minuten. Schön wäre es aber, dass Du es regelmäßig tust. Aber zum Thema „Üben – wann und wie oft“ komme ich an anderer Stelle. Hier nun die Spielregeln.

1. Das musikalische „Material“ (wie die Forelle, der Kochtopf, der Heizkörper…)

Suche Dir eine „Übeportion“ aus, die Du in etwa 2 Minuten bewältigen kannst. Das kann praktisch alles sein:

Eine Tonleiter, die Du gerade neu lernst.

Eine Etüde, ein Übungsstück.

Ein Abschnitt aus einem Musikstück.

Ein einziger Rhythmus, den Du kennen lernen willst.

Alles, woran Du gerade arbeitest.

2. Das Üben selbst

Das „Material“ kann für Dich neu sein, oder auch schon sehr vertraut. Vielleicht ist es ganz am Anfang sogar ganz gut, wenn Du etwas nimmst, was Du schon mal geübt hast. Aber eigentlich spielt das keine große Rolle. Nimm Dir nun Zeit, um das „Material“ zu üben. Vielleicht in einem sehr langsamen Tempo. So langsam wie Du es gerade noch verkraftest.

Zum Beispiel spielst Du die Tonleiter zwei oder drei Mal ganz langsam aufwärts und abwärts.

Oder Du spielst die Etüde einmal oder zwei mal durch.

Oder Du spielst die zehn Takte aus dem Musikstück, das Du gerade lernen willst.

Achte darauf, dass Du nicht „über-übst“! Übe ein bisschen, und spüre, ob Du schon kleine Fortschritte machst. Versuche es nicht perfekt zu machen. Arbeite einfach 2-3 Minuten daran.

Das ist der Teil „Ich lerne das Wort ‚Auto‘ und probiere mal aus, was alles ein Auto ist“.

3. Weiterspinnen

Jetzt bist Du am eigentlichen Ende der Übeportion angelangt. Du hast vielleicht die Etüde gespielt und bist in dem schön langsamen Tempo ganz gut durchgekommen.

Wichtig ist nun der letzte Takt, die letzten paar Töne: Nun sei bereit! Stell Dir vor Du bist ein Kind dem ein Ball zufliegt. Das Kind fängt den Ball vielleicht, oder es fängt ihn nicht, rennt ihm hinterher, oder lässt ihn hüpfen, alles was ihm einfällt und was die Bewegung des Balles gerade hergibt.

Mach das mit der Musik!

Spiele nun ein bisschen, einfach so, mit dem was gerade da ist! Nur für Dich!

Was kann das sein? Zum Beispiel wiederholst Du die Figur aus dem letzten Takt, veränderst sie ein wenig, ein Ton quietscht, und dann quietschst Du absichtlich noch mal, oder Du spielst kurz gar keinen Ton und wiegst Dich eine Weile im Rhythmus, und spielst dann ein paar Töne in diesem Rhythmus, der aus dem Stück noch nachklingt, oder Du greifst irgendetwas aus der Übeportion auf, machst es wilder, oder ganz ganz einfach, oder oder oder…

Wir könnten diesen Teil jetzt sehr systematisch aufarbeiten, was alles als „Variation“ oder „Spiel“ oder „Improvisation“ gilt und wie „man“ das macht. Aber genau darum geht es eben nicht. Dann wären wir wieder gefangen im Denken, Urteilen, im „Richtigen“ und im „Falschen“.

Was Du dafür brauchst, sind vor allem Deine Ohren. Höre zu, was gerade passiert und spiele damit.

Und ganz wichtig: Du brauchst das niemandem zu zeigen. Eigentlich ist das nur für Dich. Auch nicht für Deinen Lehrer, Deine Eltern, Deinen Freund oder Freundin. Vielleicht für Deine Katze. Du kannst es jemandem erzählen: „Heute habe ich was Lustiges gespielt“ – aber mach Dich nicht abhängig von der Reaktion des anderen. Dieser Moment, dieses Spiel, gehören nur Dir!

Bleibe eine Weile dabei. Nicht zu lange. Gerade so lange, wie Du aufmerksam Dir selbst beim Spielen zuhören kannst.

4. Zurück kommen

Und wenn Du eine Weile – vielleicht nur 30 Sekunden, vielleicht zwei Minuten – weiter gesponnen hast, dann komm wieder zur Übeportion zurück und spiele sie noch einmal.

Und während Du sie noch einmal spielst, versuche wahrzunehmen, ob das Spielen jetzt anders ist. Wie fühlt es sich an? Bist Du wacher als vorher? Erschöpft? Ungenauer? Fröhlicher?

Beende nun das Spiel und halte kurz inne. Und wenn Du willst, probiere es gleich mit einer neuen Übeportion aus.

Oder morgen wieder. Am besten jeden Tag.

Und wenn Du das Gefühl hast, Du kannst es noch nicht so richtig umsetzen, nimm Dir einfach noch einmal Zeit Kindern beim Spielen zuzuschauen.

Und nun noch mal zusammengefasst.

 

Das Weiterspinnspiel

Üben (ca. 2-3 Minuten) – Weiterspinnen (30 Sek. bis 2 Minuten – Üben (ca. 1 Minute) – Pause.

 

Wenn es Dich neugierig gemacht hat, dann nutze dieses Spiel für Dein eigenes Üben, Musik machen, Spielen. Du kannst alles variieren, ändern, anpassen, verwerfen, umbauen – und wenn Du mir über Deine Erfahrungen berichten willst, freue ich mich sehr!

In der Zukunft werde ich noch weitere Spielideen hier beschreiben — Du kannst dem Blog folgen, indem Du Deine Emailadresse oben einträgst oder ihn auf facebook oder twitter abonnierst.

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2 Gedanken zu „Das Weiterspinnspiel (Sprachspiele, Musikspiele, Teil 2)

  1. Pingback: Sprachspiele, Musikspiele (Teil 1) | psy4mus

  2. Pingback: Spielen was Du hörst | psy4mus

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