Sprachspiele, Musikspiele (Teil 1)

Erinnere Dich kurz daran, wie es war als Du die ersten Wörter gelernt hast. Oder, wenn Dir die Erinnerung nicht mehr ganz so treu ist (was ich vermute!): Beobachte mal kleine Kinder was sie mit der Sprache tun.Weiterspinnspiel

Fällt Dir etwas auf?

Also mir fällt Folgendes auf: Kinder warten nicht mit dem Spielen, bis sie etwas beherrschen. Sie spielen von Anfang an. Spielen ist für sie lernen. Und so ist es auch mit den Wörtern:

Zuerst erfreuen sie sich riesig daran, ein neues Wort immer wieder zu benutzen. Die Dinge zu benennen. Sie sehen ein Auto und sagen „Auto“, und das hunderte Male. Sie probieren aus, was alles „Auto“ heißen kann. Sie zeigen auf einen Fisch und fragen: „Auto?“. Sie zeigen auf einen Baum, sagen „Auto!“ und lachen.

Und dann gibt es noch etwas.

Sie lernen ein neues Wort, und fast umgehend drehen und wenden sie es wie es ihnen gerade einkommt.

Kind: „Was ist das?“

Papa: „Eine Forelle.“

Kind: „Wie? Eine Foratte?“ (Lautes Kichern)

Papa: „Eine Forelle!“

Kind (singt vor sich hin): „Frohrelle, Froschelle, Froratte, Matte, das reimt sich“

und so weiter…

Spielen geschieht aus dem Moment heraus, aus dem was gerade passiert

Lernen wir so Musik? Ich glaube, oftmals nicht. Wir haben vor Musik eine derartige Ehrfurcht, dass wir uns nicht zutrauen wie Kinder damit zu spielen. Wir wollen erst die Technik beherrschen. Sie flüssig können. Verinnerlicht haben. Und wenn es dann zum Spielen kommt (in der Musik nennen wir es oft „improvisieren“), dann trauen wir uns nicht, haben Angst zu versagen, das „Falsche“ zu spielen. Und dann meinen wir, wir müssten eben noch mehr lernen, weil wir es eben noch nicht richtig können. Aber vielleicht ist es genau anders herum? Vielleicht steht das Spielen am Anfang, gehört von Beginn an dazu, vielleicht kann ohne das Spielen das Lernen nicht wirklich stattfinden? Weil wir uns erst durch das Spiel die Dinge aneignen, alle ihre Eigenschaften kennenlernen, auch die verborgenen, abwegigen, ungewöhnlichen…

Was ist das Besondere am Spielen?

Spielen geschieht aus dem Moment heraus, aus dem was gerade passiert. Nicht aus dem „was passieren soll“.

Spielen geschieht ohne Bewertung. Wenn Kinder besonders innig spielen, wollen sie oftmals gar keine Erwachsenen dabei haben, die ihnen sagen was „richtig“ und „falsch“ sein soll. Wenn wir spielen, dann sollten wir uns nicht scheren um das was jemand dazu sagt. Und auch unsere eigene innere Bewertungsmaschine (also unsere Gedanken darüber ob das was wir gerade tun wertvoll oder unnütz ist) wenn schon nicht abschalten, so doch einfach nicht so wichtig nehmen. Und stattdessen auf den Klang achten. Zuhören. Fühlen…

Spielen greift das auf, was gerade da ist, und lässt sich davon tragen in jegliche Richtungen, frei von äußeren Regeln und Gesetzen. Ein Heizkörper wird zur Trommel. Kochtöpfe werden zu Kopfbedeckungen. Und Wörter werden zu Knetfiguren.

Und was heißt das nun für die Musik?

Lassen wir uns nicht einreden, dass Musik etwas Schweres und Ernsthaftes ist. Das ist sie nicht. Sie ist die wundervollste Grundlage für unser freies Spiel, dafür, dass wir zu jedem Moment im Leben wieder Kind sein können, hellwach, neugierig, und ohne Angst. Ganz egal, ob wir „blutiger Anfänger“ oder „Meisterklassen-Absolventin“ oder irgendetwas anderes sind oder zu sein meinen.

Im nächsten Blogeintrag mache ich einen Vorschlag, wie Du diese Ideen beim Üben und Musikmachen ganz einfach umsetzen kannst.

Aber vielleicht hast Du auch schon Deine ganz eigenen Spiele entwickelt. Ich würde mich freuen, sie kennen zu lernen!

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2 Gedanken zu „Sprachspiele, Musikspiele (Teil 1)

  1. Pingback: Das Weiterspinnspiel (Sprachspiele, Musikspiele, Teil 2) | psy4mus

  2. Pingback: Spielen was Du hörst | psy4mus

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